Heilsame Berührung Gottes: Bericht über eine Werkstatt zu Salbung & Segnung
 Gottesdienst im Dom. Kerzenlicht und Orgelmusik. Ruhig aber zielstrebig stellen sie sich ans Ende der Warteschlange. Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder. Das Ziel ist ein Stuhl. Er steht etwas abseits. Was dort mit jedem geschieht, kann gerne im Verborgenen bleiben. Also Diskretionsabstand. Wer an der Reihe ist, wird von 3 Personen empfangen. Platz nehmen. Zwei Hände legen sich sanft auf beide Schultern. Augen schließen. Ein Finger, der vorher in eine Schale mit wohlriechendem Salböl getaucht wurde, berührt erst die Stirn, dann die Hände. Kreuzzeichen. Leise gesprochene Segensworte. Der Körper wird durchflutet mit Gefühlen des Glücks oder der Trauer. Unberührt bleibt keiner. Tiefer als in Gottes bergende Hände kann ich nicht fallen. So gesalbt und gesegnet geht es wieder zurück ins Leben und den Alltag.
Auf diese Weise werden in unserer Gemeinde Gottesdienste gefeiert, in denen man sich salben und segnen lassen kann. Ein Kreis von Frauen und Männern beteiligt sich aktiv daran. Unter Anleitung einer Pastorin oder eines Pastors werden solche Gottesdienste sorgfältig vorbereitet und durchgeführt. Wer sich als Laie einem Menschen auf diese intime und spirituelle Weise zuwendet, der braucht dafür geistiges Rückzeug. Im November 2008 fand zu diesem Zweck im Gemeindezentrum die mittlerweile 2. Werkstatt zu Salbung & Segnung statt. Die inhaltliche Gestaltung übernahm Pastor Heiko Boysen. Es ging um theologische und religiöse Grundlagen sowie einen Erfahrungsaustausch.
Die Grundlagen
Die uralte Geste des Segens antwortet auf menschliche Bedürfnisse nach Zuwendung und angesehen werden, nach angesprochen und anerkannt werden. Die Segensgeste wird abgeschlossen im Zeichen des Kreuzes. So wird deutlich, dass auch die Erfahrung von Unheil das zugesprochene Heil nicht aufzuheben vermag. Die Verwendung von Salböl als Mittel zur Weihe von Priestern, Propheten und sakralen Gegenständen wird im 2. Buch Mose beschrieben. Im neuen Testamtet steht die Salbung als Symbolhandlung für das helfende Handeln Jesu an Kranken und für die Gabe des Heiligen Geistes. Die katholische Kirche kennt vier Arten: Die Salbung vor der Taufe, bei der Firmung, bei der Bischofs- und Priesterweihe sowie die Krankensalbung. Auch in der Evangelischen Kirche wird die Salbung neuerdings zunehmend praktiziert. Hier wird sie als sinnlich wahrnehmbares Zeichen der Segnung verstanden.
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